Gott, die Welt und Bayern

Besuch der Bayerischen Staatsbibliothek München

Ausstellung „Gott, die Welt und Bayern“

03.02.2019 und 02.06.2019

 

Die zehn regionalen Staatlichen Bibliotheken Bayerns haben aus ihren Schatzkammern für die Ausstellung „Gott, die Welt und Bayern“ (Oktober 2018 bis Juli 2019) 100 besondere Exponate ausgewählt. Die Zahl 100 galt im Mittelalter als Zeichen für Perfektion und das ewige Leben. Mit den gezeigten Ausstellungsstücken wollte man die kulturgeschichtlichen Zusammenhänge aufzeigen und veranschaulichen.

 

Die Führung durch Teil I der Ausstellung – Mittelalterliche Handschriften und Drucke bis zur Reformation – war für den 06.01.2019 geplant, musste aber wegen zu geringer Beteiligung abgesagt werden.

 

Aber zu Teil II der Ausstellung - Aus Orient und Okzident, Bücher, Karten, Globen des 16. und 17. Jahrhunderts - trafen sich am 03.02.2019 zahlreiche Mitglieder der JLG in der „StaBi“ und tauchten, geleitet von unserer Führerin Frau Beate Ofczarek, ein in das Zeitalter der Entdeckungen, der Ausbreitung des Humanismus und der Revolutionierung des mittelalterlichen Weltbildes. Der wissenschaftliche Aufbruch der Renaissance und des Barocks hatte als großes Thema die Entdeckung der Welt und das Bestreben zu vermessen und zu erkennen. Fortan wurden Bücher, Schriften, Karten und Globen nicht nur in Klöstern und ihren Bibliotheken gesammelt, sondern auch Herzöge und reiche Bürger begannen zu sammeln und Bibliotheken auszubauen; hier sollen nur ein paar Beispiele der Exponate daraus genannt sein:

 

  • Die Weltkarte eines Augsburger Händlers von 1526
  • Ottheinrich von Pfalz-Neuburg – Förderer der Heidelberger Universität, baute die Bibliothek aus und ließ eigene Einbände für seine Bibliothek anfertigen
  • Die Lafreri Atlanten – hier wurden einzelne Karten erstmals zu einem Buch zusammengefasst
  • 1541 schuf Gerhard Mercator den ersten wissenschaftlichen Globus mit Hilfe des genauen Studiums von Reiseberichten.
  • Das Heliozentrische Weltbild von Kopernikus – die Herausgabe seiner Kenntnisse gilt in wissenschaftlichen Kreisen als eines der wertvollsten Bücher überhaupt
  • Die Beweiskarte – Nürnberg aus der Vogelperspektive – mit ihr untermauerte Nürnberg seinen Anspruch auf das Umland und sein Recht Steuern zu erheben
  • Ein Himmelsatlas aus dem Jahre 1660 ist eine christliche und weltliche Sternbilddarstellung

 

Nach dieser beeindruckenden Schau freuten wir uns alle auf den 03.06.2019 und damit auf Teil 3 – Krieg und Frieden; Freud und Leid; Sammelobjekte des 17. und 20. Jahrhunderts. In diesem 3. Abschnitt wurden die unterschiedlichsten Objekte gezeigt. Sie sollten die Vielfalt und die Pracht dieser Epoche zeigen, die Neugier auf fremde Kulturen und Länder deutlich machen und nicht zuletzt das Leid und den Krieg dokumentieren. Beispielhaft betrachteten wir folgende Exponate:

 

  • Ein Gebetsbuch, in einem Silber geschmiedeten Barockeinband mit einem figürlich und ornamentalem Reliefdecor um 1720
  • Darstellung eines Musentempels aus den Niederlanden – der französische Kupferstecher Bernard Picart hatte sich auf die Darstellung von Szenen antiker Sagen spezialisiert
  • Das Libretto der Barockoper Argenore, 1737 komponiert von Wilhelmine von Bayreuth. Sie war Intendantin der Bayreuther Hofmusik und etablierte hier die große italienische Oper. Damit verhalf sie Bayreuth zu hohem Ansehen in der Kulturwelt
  • Ein Buch aus der Privatbibliothek des Münchner Hofkaplans Johann Josef Benno Wagenecker, verfasst vom Benediktiner Pater Ulrich Weiß mit dem Titel „Die Verbesserung der menschlichen Intelligenz“. Der Buchdeckel dieses Werkes gilt als beispielhaft für die Kunst des Rokoko
  • Der „Große Atlas“ von Johann Baptist Homan. Inmitten des Werkes befindet sich eine humorige Fantasiekarte des Schlaraffenlandes
  • Eine Specksteinstatuette aus China – die Darstellung des Gottes des langen Lebens Shau Lao. Dieses Exponat ist ein Beleg für die Chinabegeisterung des 18. Jahrhunderts
  • Eine Gemmensammlung in Buchform (Mitte 18. Jh). Gemmen waren ein beliebtes Medium um die Bilderwelt der Antike darzustellen. Sie wurden in eigens angefertigten Sammelschränken, den sogenannten Daktyliotheken gesammelt. Hier wurde der Sammelschrank in Buchform aus Holz gestaltet
  • Ein Fächer als Beispiel für die Chinamode in Oberfranken. Hofrat Johann Caspar Eder war Experte im Fächerzeichnen. Bei diesem Fächer zeichnete er einen Bilderreigen zum Thema der vier Elemente
  • Ein bibliophiles Werk zur Vogelkunde von 1805 mit insgesamt 181 großformatigen Kupferstichen -  die hohe Kunst der Vogeldarstellung – es gilt bis heute als größtes und schönstes Vogelbuch Deutschlands
  • Der spektakuläre Kriminalfall „Kaspar Hauser“. Paul Johann Anselm Ritter von Feuerbach forschte nach der Herkunft von Kaspar Hauser - „war er der badische Erbprinz?“. Die Erstausgabe seines Buches über Kaspar Hauser ist versehen mit dessen Portrait
  • Eine Hauschronik, ein Geschenk der Herzogin Alexandrine von Sachsen-Coburg und Gotha an ihren Mann zur Silberhochzeit. Die Chronik enthält eine Fülle von privaten und offiziellen Erinnerungen
  • Ein Kriegskochbüchlein von Marie Buchmeier – entstanden anlässlich der entbehrungsreichen Zeiten im 1. Weltkrieg
  • Das Gusen Album – der Zwangsarbeiter Franciszek Znamirowski betätigte sich im Konzentrationslager Gusen als Karikaturist

 

Nach jedem Besuch der Ausstellung waren wir hungrig und konnten uns bei einem gemeinsamen Essen über das Erlebte austauschen.